9. April 2026
Gedanken | Trends
Warum ich Trends liebe und hasse.
Wer ist auch genervt von den immer gleich aussehenden Wohnungen auf Instagram? Am Anfang begeistert uns die Couch, die Vase oder Farbe noch, doch schon nach ein paar Wochen ist man völlig übersättigt von dem Anblick und irgendwie enttäuscht. Zurück bleibt ein Gefühl der Leere. Unsere Begeisterung wandelt sich schnell in Genervtheit.
Natürlich ist etwas Neues oft aufregend. Unser Alltag ist festgefahren, wir haben das Gefühl festzustecken und dann zeigt man uns das trendige Sofa, eine angesagte Handtasche und irgendwelchen Krimskams, der unser Leben auf jeden Fall besser machen wird. Also kaufen wir es. Wir sind glücklich. Kurz. Bis der Alltag uns wieder einholt. Komischerweise hat das alles unser Leben gar nicht verbessert. Es war ein kurzer, aber teurer, Dompinstoß.
Was uns aber wirklich glücklicher macht, sind Dinge die zu uns passen, die unsere echten Probleme lösen. Vielleicht ist dieses eine It-Piece tatsächlich das Richtige für dich. Etwas, was deine Caspule Wardrobe komplentiert und du noch jahrelang gerne anziehst und dich gut darin fühlst. Oder der Sessel, der dir endlich eine Kuschelecke in deiner Wohnung bietet, die dir dabei hilft dich beim Lesen vom Stress zu lösen. Aber das alles kann nur entstehen, wenn man sich ehrlich mit seinen Problemen auseinander setzt und die Ursache findet. Nicht, wenn du dir auf die schnelle einen Sessel kaufst, der viel zu groß ist und eigentlich auch nicht so richtig zum Rest der Wohnung passt. Und auch nicht, wenn du gleich deine ganze Einrichtung über den Haufen wirfst, obwohl du sie eigentlich mochtest.
Genauso, wenn die Funktion verdrängt wird. Du hast eine kleine Wohnung brauchst Stauraum und gerade ist das wunderschöne offene Regal Trend. Das ist doch ideal, da passt alles rein, denkst du zumindest. Und Anna hat das Regal auch und bei ihr ist es immer aufgeräumt. Aber dann stellst du fest, dass deine Wohnung immernoch total unordendtlich aussieht. Das liegt daran, dass die Ästhetik des Regals die Funktion überlagert und nicht zu deinen Bedürfnissen passt. Denn was du nicht Bedacht hast, dass Annas liebest Hobby lesen ist und ihre Bücher sich gut im regal machen. Deine Hobbies sind Sport und Sticken. Und jetzt liegen überall Gewichte, Gymnastikbänder und Zubehör im Regal und das sieht leider weiterhin chaotisch und wenig ästhetisch aus. Ein geschlossenes, auf auf dich abgestimmtes Stauraumsystem, wär die bessere Option gewesen und hätte dir langfristig geholfen.
Und mal ehrlich, willst du wirklich das gleiche Regal wie Anna? Und Leon? Und Mira? Zu trendlastige Räume sehen oft gleich aus. Auch wenn wir gerne zur einer Geminschaft dazugehören wollen, wollen wir genauso als Individuum wahrgenommen werden. Also überlege, ob es wirklich zu dir passt oder gerade einfach nur der Mere-Exposure-Effekt kickt.
Jetzt fragst du dich sicher, hast du nicht gesagt, du hasst UND liebst Trends. Wo ist der Liebe-Teil? Hier, ich liebe die Inspiration die Trends bringen. Auch wenn ich vielleicht nicht den neusten Trend-Artikel gut finde, so bringt es mich dazu etwas Neu zu denken. Vielleicht bringt es mich zu einer Lösung, die ich schon seit Ewigkeiten suche. Denn was wir auch Bedenken müssen, Trends entstehen nicht zufällig. Sie basieren oft auf echten Bedürfnissen. Multifunktionsmöbel zum Beispiel. Durch die immer teureren Mieten, kann man sich nur noch kleine Wohnungen leisten. Aber natürlich hat man immer noch die gleichen Bedürfnisse an Platz, weil das Leben an sich hat sich nicht geändert und soll sich auch nicht unbedingt ändern. Die Lösung, mehr Funktionen in weniger Raum zu stecken.
Manchmal ist es aber auch subtiler. Eine Farbe löst manchmal in uns einfach nur Freude aus, die motiviert uns oder beruhigt. Und was ist daran verkehrt? Und dann gibt es auch die Trends, für die wir uns nie erwärmen konnten und froh sind, wenn sie ganz schnell verschwinden.
Also was lernen wir daraus? Wir sollten aufhören Trends hinterherzujagen. Stattdessen sollten wir Sie nutzen, wenn Sie uns weiterhelfen und ignorieren, wenn nicht. Wir sollten uns gut überlegen, wie wir unser Leben wirklich besser machen können. Mehr in uns reinhören und weniger auf den Impuls, der uns verleitet.
