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Doure Notes | Event

Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht.

Ich war auf einer Veranstaltung der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen zum Thema inklusives Gestalten. Ein Thema, das mich als Innenarchitektin regelmäßig begleitet, aber oft auf Unmut trifft. Inklusion und Barrierefreiheit sind mit vielen negativen Vorurteilen behaftet: zu teuer, zu aufwendig, „betrifft uns nicht“. Und ich muss zugeben, dass auch ich manche dieser Gedanken lange hatte. Besonders Umbauten im Bestand bereiten mir oft Kopfzerbrechen. Dabei ist es häufig gar nicht so schwer.

Wir sollten uns alle bewusst machen, dass dieses Thema jeden von uns irgendwann betreffen kann. Direkt oder indirekt. Schließlich gehört auch altersgerechtes Bauen dazu, genauso wie Einschränkungen durch Unfälle oder Krankheiten. Und zusätzlich zu diesem Schicksalsschlag wird vielen Menschen auch noch die Teilhabe am öffentlichen Leben erschwert oder ganz verwehrt. Man kann nicht an Veranstaltungen teilnehmen, weil man den Ort nicht betreten kann. Man kann nicht mit seinen Kindern auf den Spielplatz gehen, weil der Weg dorthin nicht zugänglich ist. Es gibt unzählige weitere Beispiele.

Was hält uns also davon ab, Städte, Gebäude und Landschaften so zu gestalten, dass Teilhabe für alle möglich ist? Angeblich die Kosten. Zumindest lautet so der Mythos. Tatsächlich kostet Barrierefreiheit durchschnittlich nur etwa 3 % mehr. Gerade bei Neubauten sollte es deshalb deutlich strengere Vorgaben geben, denn dort ist noch alles möglich.

Aber auch bei Sanierungen und Umbauten muss kreativer gedacht werden. Oft können schon kleine Maßnahmen das Leben vieler Menschen erleichtern. Vielleicht ist ein vollständig normgerechter Umbau nicht immer umsetzbar. Aber es sollte nicht an wenigen Zentimetern scheitern. Ein Beispiel aus den Vorträgen war der Aufzug, selbst wenn ein kleinerer Aufzug für Rollstuhlfahrer nur eingeschränkt nutzbar ist, ist er immer noch besser als gar keiner. Denn so wird zumindest Teilhabe ermöglicht.

Auch die Fördermittel sollten deutlich erhöht werden. Im Vortrag wurden Fördermittel von jährlich 3 Millionen Euro genannt. Dem stehen öffentliche Ausgaben gegenüber, für die regelmäßig Millionenbeträge bereitgestellt werden, etwa für staatliche Öffentlichkeitsarbeit, repräsentative Bauprojekte oder Verwaltungs- und Fuhrparkkosten. Diese Prioritätensetzung wirft die Frage auf, warum für gesellschaftlich notwendige Fördermaßnahmen oft nur vergleichsweise geringe Mittel verfügbar sind.

Mit dem Hintergrund, dass bis 2040 rund 300.000 altersgerechte Wohnungen benötigt werden und aktuell nur etwa 2 % davon existieren, sollte dringend über eine gerechtere Verteilung von Geldern nachgedacht werden.

Es gibt also noch viel zu tun. Vor allem der Staat muss hier dringend handeln und darf das Thema nicht weiter auf Freiwilligkeit basieren lassen. Aber auch für mich und andere Architekten und Innenarchitekten beginnt Verantwortung im Kleinen.

Was ich aus diesen bereichernden Vorträgen mitgenommen habe: Es sollte ein selbstverständlicher Teil meiner Arbeit werden, Planungen auf Barrierefreiheit und Teilhabe zu prüfen und anzupassen. Kreative Wege zu finden, diese Anforderungen ästhetisch und selbstverständlich zu integrieren. Und vor allem, den Menschen zuzuhören, die tatsächlich betroffen sind. Denn wir sollten nicht so arrogant sein zu glauben, wir wüssten, wie es ist, mit diesen Einschränkungen zu leben oder dass reine DIN-Normen dafür ausreichen.

Ich möchte mich außerdem bei den Vortragenden bedanken, deren Worte und Perspektiven mich an vielen Stellen inspiriert haben und aus denen ich mir für diesen Text Gedanken und Impulse mitgenommen, aber teils auch Worte entliehen habe. Und natürlich auch bei der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen für die Organisation solcher wichtigen Veranstaltungen und den Raum für diesen Austausch.

Gerhard Greiner, Architekt, Präsident Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen (AKH), Wies­ba­den

Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundes­regierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Berlin

Heike Hofmann, Staatsministerin, Hessisches Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, Wies­ba­den

Katrin Müller-Hohenstein, Fernseh- und Radiomoderatorin, ZDF Mainz

Wiebke Ahues, Architekt­in, Vize-Präsidentin Bundes­architekten­kammer (BAK), Berlin

Prof. Dr. Tom Bieling, Lehrgebiet Designtheorie, Hochschule für Gestaltung Offenbach

Gast-Prof. Mary Dellenbaugh-Losse, Fachgebiet Sustainable Cities and Communities, Univer­sität Kassel

Mirko Korder, Geschäfts­führer, Manager, Potenzial Pioniere GmbH, Wies­ba­den

Andreas Winkel, Beauftragter der Hessischen Landes­regierung für Menschen mit Behinderung, Wies­ba­den

Iris Otto, stellvertretende Leiterin der Abteilung „Bauen, Wohnen, Städtebau, Landes­ent­wicklung“, Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, Wies­ba­den

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